Kanopenkrüge: Vier Wächter für die Organe
Ein Kanopenkrug ist ein Grabgefäß, in dem bestimmte innere Organe aufbewahrt wurden, die bei der Mumifizierung entfernt worden waren. Das Herz blieb im Körper, weil die Ägypter es als Sitz von Verstand und Moral betrachteten. Leber, Lunge, Magen und Darm wurden getrocknet, eingewickelt und in Krüge gelegt, damit der Verstorbene sie im Jenseits wieder gebrauchen konnte. Die Deckel zeigen oft die vier Söhne des Horus, die jeweils ein Organ schützen.
Vier Krüge, vier Köpfe, vier Himmelsrichtungen
Das klassische Set des Neuen Reichs umfasst vier Krüge. Imsety mit menschlichem Kopf bewachte die Leber und den Süden. Hapy mit Pavianenkopf bewachte die Lunge und den Norden. Duamutef mit Schakalkopf bewachte den Magen und den Osten. Qebehsenuef mit Falkenkopf bewachte den Darm und den Westen. Jeder Sohn hatte eine Begleitgöttin: Isis, Nephthys, Neith und Serket.
Der schakalköpfige Deckel eines Kanopenkrugs ist Duamutef, nicht Anubis. Beide haben ein hundeartiges Gesicht, doch Duamutef erscheint nur als einer von vier passenden Deckeln auf Organenkrügen. Anubis steht allein als Gott der Einbalsamierung. Wildforms Pack-Requisite zeigt einen Anubis-Krug in Grab-Szenen; historisch waren Anubis-Deckel seltener als die Söhne des Horus, obwohl Anubis-Motive auf Truhen und Grabausstattung vorkamen.
Von schlichten Deckeln zu den Söhnen des Horus
Kanopenkrüge tauchen erstmals in der 4. Dynastie auf. Beispiele des Alten Reichs sind oft schlichte Steintöpfe mit flachen oder gewölbten Deckeln. Krüge des Mittleren Reichs haben manchmal menschenköpfige Stöpsel, die die Söhne in menschlicher Form darstellen. In der 19. Dynastie des Neuen Reichs wurde das Muster der vier tierköpfigen Deckel zum Standard, den die meisten Museen zeigen.
Organe lagen nicht immer in getrennten Krügen. In manchen Perioden wickelten Einbalsamierer die Pakete ein und legten sie gemeinsam in eine einzige Kanopentruhe ins Grab. Holztruhen der Henutmehyt im British Museum enthalten noch vier innere Krüge mit ihren Bündeln. Die äußere Form änderte sich mit Mode und Budget, doch die Idee geschützter Organe blieb.
Zaubersprüche, Titel und die Kunst des Einbalsamierers
Bei der Mumifizierung entfernten Priester die Organe durch einen Schnitt, oft an der linken Bauchseite. Jedes Organ wurde mit Natron behandelt, eingewickelt und seinem Schutzgott zugewiesen. Hieroglyphen auf den Krügen nannten den Sohn und den Besitzer. Ein Schutzformel aus dem Totenbuch konnte auf die Oberfläche kopiert werden, damit der Geist des Krugs für den Verstorbenen antwortete, wenn er im Jenseits befragt wurde.
Hohe Beamte trugen manchmal priesterliche Titel, die mit Totenkulten verbunden waren. Auf dem Imsety-Krug Psamteks im British Museum steht dem Namen des Besitzers «Greatest of Five» voran, ein Titel, der mit dem Thoth-Kult in Hermopolis verbunden ist. Die Inschrift zeigt, wie Grabausstattung so deutlich sozialen Rang trug wie Sargdekoration.
Die vier Krüge Psamteks in London
Das British Museum besitzt ein Set aus vier glasierten Kompositions-Kanopenkrügen für einen Mann namens Psamtek (EA57368), wahrscheinlich aus der 30. Dynastie. Jeder Krug ist etwa 21 bis 23 cm hoch und aus dunkelblau-grüner Fayence gefertigt. Der falkenköpfige Qebehsenuef, der menschliche Imsety, der pavianenköpfige Hapy und der schakalköpfige Duamutef bewachen jeweils das in der Hieroglypheninschrift genannte Organ.
Das Set gelangte 1924 ins Museum. Kuratoren beschreiben den Zustand als gut; eingeschnittene Inschriften nennen sowohl die Gottheit als auch den Verstorbenen. Solche Sets wurden für Elitebestattungen in Serie gefertigt und dennoch mit Namen und Titeln personalisiert. Sie gehören zu den erkennbarsten Objekten in jeder Ägypten-Galerie, weil die vier Köpfe sofort als Mumifizierungsausrüstung lesbar sind.
Fayence, Kalkstein, Holz und leere Krüge
Spätere Perioden bevorzugten ägyptische Fayence für Kanopenkrüge, weil ihre blau-grüne Glasur die Farbe der Erneuerung widerspiegelte. Kalkstein-Krüge (ägyptischer Alabaster) erscheinen in wohlhabenden Bestattungen in Theben. Holzbeispiele ab der Dritten Zwischenzeit überleben manchmal mit bemalten Deckeln, obwohl Holz in feuchten Gräbern zerbrechlich ist.
Archäologen finden auch Kanopenkrüge, die nie benutzt wurden, oder leer bestattete Krüge, wenn Einbalsamierer in späterer Ritualpraxis Organe wieder in den Körper legten. In der 21. Dynastie verschob sich die Praxis: Organe wurden oft neu verpackt und ins Mumieninnere gelegt, während Scheinkrüge im Grab für symbolische Vollständigkeit blieben. Das erklärt, warum manche schönen Krüge in Museen keinerlei organische Reste enthalten.
In deiner Szene
Eine Reihe von vier Krügen auf einem Nischenregal, jeder mit anderem Kopf, liest sich sofort als Grabkammer. Passende Deckel zählen mehr als die Höhe. Unser Pack Egyptian Tomb Relics enthält einen Anubis-Kanopenkrug, der gut zu Grabnischen neben einem Sarkophag oder Opfertisch passt.