Zwanzig-Felder-Brett aus dem Königlichen Friedhof von Ur
Als Leonard Woolley in den 1920er Jahren den Deckel eines Königsgrabes in Ur öffnete, war das Holz längst zusammengebrochen. Übrig blieb ein Rätsel aus Muschel und Bitumen: zwanzig kleine Felder, in den Boden gedrückt, wo ein Spielbrett einst mit der Spielseite nach oben lag. Das Königliche Spiel von Ur ist diese Bretttradition, auch Spiel der zwanzig Felder genannt. Es ist ein Zweispieler-Wettlauf auf einer eingelegten Holzbahn, eines der ältesten Brettspiele, die die Archäologie anhand echter Fundstücke benennen kann.
Zwanzig Muschelfelder, Rosetten und der Schulterbrett-Grundriss
Das Brett ist kein quadratisches Schachraster. Britannicas Überblick über antike Brettspiele beschreibt einen Drei-mal-vier-Block, über eine schmale Brücke aus zwei Feldern mit einem Drei-mal-zwei-Block verbunden. Dieser Zwanzig-Felder-Weg ist das visuelle Kennzeichen. Ur-Exemplare sind flache Holzbretter mit Muschelplaketten auf der Spielseite. Manche Felder tragen Rosetten. Andere zeigen einen Punktkranz, den Kuratoren als Augenmotiv lesen. Die Ränder sind mit schmalen Einlegebändern verziert.
Die Spieler nutzten separate Steine. Diese Spielsteine überdauern selten neben dem Brett im Grab, deshalb zeigen Museen die Holzplatte selbst. Der Katalog des British Museum beschreibt das ursprüngliche Brett als Holz mit Schublade für die Steine, ein Detail, das im Boden verloren ging, aber im Museumsdatensatz erhalten blieb. Was man heute in Vitrinen sieht, ist die eingelegte Bahn: ein Luxusobjekt zum Anfassen, kein Wanddiagramm.
Von frühdynastischen Gräbern zu Höfen in Mesopotamien
Bretter dieser Art stammen aus mindestens sechs Königsgräbern in Ur, datiert in die Frühdynastik III, etwa 2600 bis 2400 v. Chr. Die Bildunterschrift der World History Encyclopedia nennt Holz mit Einlegearbeit aus Muschel, Karneol und Lapislazuli, damals einer der kostbarsten Steine. Woolley grub sie im Königlichen Friedhof für das British Museum aus; die berühmtesten Stücke stehen heute in London.
Britannica behandelt das Königliche Spiel von Ur als eines der ältesten bekannten Brettspiele, entstanden in Mesopotamien um 2600 v. Chr. und verbreitet in einer Stadt, die schon ein großes Zentrum war. Der Name „königlich“ verweist auf den Friedhof der ersten berühmten Funde, nicht auf eine Regel, dass nur Könige spielen durften. Elitegräber bargen die eingelegten Sets.
Steine jagen in den Mußestunden des Palastes
Altorientalische Brettspiele mischten Strategie und Zufall. Britannicas Hinweis zum Spiel der zwanzig Felder sagt, Ziel war es, die Steine entlang des Weges zu bewegen. Die World History Encyclopedia gibt eine Keilschrift-Tafel des British Museum wieder mit akkadischem Text, einem Diagramm des Zwanzig-Felder-Spiels und Feldern, die mit Wahrsagerei verbunden sind. Das Kolophon nennt Itti-Marduk-balatu und Seleukos IV; die Tafel datiert auf etwa 177 v. Chr., im späten 2. Jahrhundert v. Chr., lange nach der Bestattung der Ur-Bretter, zeigt aber, dass das Spiel in Mesopotamien noch Namen und Regeltradition hatte.
In einem Palast oder reichen Haus gehörte ein solches Brett zu denselben ruhigen Stunden wie Musik und Gespräch. Es war tragbar, gesellig und prunkvoll, wenn es mit importiertem Stein eingelegt war. Es ins Königsgrab zu legen, sagt etwas über den Geschmack des Toten für feines Spiel, nicht nur über Kult.
Wie ein zerbrochenes Holzbrett das Grab überdauerte
Holz verrottet in mesopotamischem Boden schnell. Woolleys Grabungsnotizen, auf der Objektseite des British Museum zitiert, beschreiben, wie die Spielseite einsank, während Randstreifen höher blieben und die Muscheleinlage in der zurückbleibenden Masse festhielten. Konservatoren bauten das Profil wieder auf, das man in den Galerien sieht. Die Rückseite des Museumsbretts trägt noch drei Reihen roter dreieckiger Muschelornamente aus moderner Rekonstruktion.
Repliken und kommerzielle Sets folgten, sobald die Ur-Funde berühmt wurden. Der Katalog des British Museum erwähnt selbst Nachbildungen, die seit dem späten 20. Jahrhundert verkauft wurden. Das antike Objekt und die moderne Spielrenaissance sind verschiedene Geschichten, teilen aber ein Gelenk: die spätere Arbeit eines Kurators an keilschriftlichen Anweisungen, unten erläutert.
BM 120834 in Raum 56 zu sehen
Das klarste Einzelbrett ist das Objekt ME 120834 des British Museum, Inventarnummer 1928,1009.378, in der Serie The Royal Game of Ur. Das Museum datiert es auf 2600 bis 2400 v. Chr., Frühdynastik III, und verzeichnet die Ausgrabung im Königlichen Friedhof von Ur durch Sir Leonard Woolley, Feldnummer U.9000. Materialien sind Holz und Muschel mit Einlegearbeit. Maße: 30,1 cm lang, 11 cm breit am breiten Ende, 5,7 cm über den schmalen Brückenteil, 2,4 cm hoch.
Der Katalog beschreibt zwanzig quadratische Muschelplaketten auf der Spielseite, teils mit Rosetten, und Randstreifen mit augenähnlichen Motiven. Es ist ausgestellt in Raum 56 (Mesopotamien 6000–1500 v. Chr.), Vitrine 16. Besucher sollten eine flache, schulterförmige Bahn erwarten, kein flaches Rechteck. Vergleiche mit dem Foto der World History Encyclopedia, das dieselbe Brettgattung in London zeigt: Frühdynastik III, etwa 2600 v. Chr., mit den eingelegten Feldern, die das Spiel sofort erkennbar machen.
Rekonstruierte Regeln und offene Fragen
Kein Regelblatt überlebte in den Königsgräbern. Das Spiel ist heute bekannt, weil Forscher Bretter mit späteren keilschriftlichen Quellen abglichen. Der Rundgang One Hour at the Museum des British Museum sagt, die Regeln galten als verloren, bis Kurator Irving Finkel in den frühen 1980er Jahren eine Tafel mit Anweisungen entzifferte. Das ist Rekonstruktion aus Text, kein Etikett am Holz. Moderne Spieler nutzen mehrere Regelsätze aus diesen Lesungen, und Spezialisten streiten noch über Details.
Behandle keine einzelne Rekonstruktion als das sumerische Original. Die ehrliche historische Formulierung ist kürzer: Das Brett ist frühdynastisch; der Wettlauf-Grundriss ist gesichert; die Zugliste ist erschlossen. Wo Quellen über Geometrie oder Steinezahl streiten, sage es. Was fest bleibt, ist das Objekt selbst: eine zwanzigfeldrige eingelegte Bahn aus einem benannten Grab in Ur, noch unter Museumsnummer 120834 zu sehen.
In your scene
Ein Königliches Spiel-von-Ur-Brett wirkt wie Palastfreizeit, nicht wie Kriegsgerät. Lege es tief auf eine Matte oder einen niedrigen Hocker zwischen zwei sitzende Spieler, mit Platz für Steine neben dem Brett. Halte den schulterförmigen Grundriss und die Rosettenfelder sichtbar. Für passende mesopotamische Tempel- und Palastrequisiten siehe das Paket Mesopotamian Temple Relics.
Sources
- British Museum: The Royal Game of Ur, ME 120834 (1928,1009.378)
- Encyclopaedia Britannica: Royal game of Ur
- World History Encyclopedia: The Royal Game of Ur (image)
- World History Encyclopedia: Rules for Playing the Royal Game of Ur (image)
- British Museum: One hour at the Museum (Royal Game of Ur, Room 56)