Anubis: Schakalgott am Einbalsamierungstisch
Eine Anubis-Statue steht für den altägyptischen Gott der Einbalsamierung, des Friedhofs und des Übergangs ins Jenseits. Künstler zeigten ihn als schwarzen Schakal, als liegenden Hund oder als Mann mit Schakalkopf. Sein Bild stand in Gräbern, Tempeldepots und Einbalsamierungsbezirken, weil die Ägypter glaubten, er bereite die Toten vor und führe die Seelen zum Gericht.
Schakalkopf, schwarzes Fell, viele Namen
Anubis (ägyptisch Inpu, auch Anpu geschrieben) ist sofort erkennbar: spitze Ohren, langer Schnauzenbereich und ein oft schwarz bemaltes Fell. Schwarz bedeutete nicht allein den Tod. Es erinnerte an den fruchtbaren Nilschlamm und an die Idee der Wiedererweckung im Grab. Statuen reichen von taschengroßen Bronzefiguren bis zu lebensgroßen Kalksteinschakalen von mehr als einem halben Meter Länge.
Zwei Formen dominieren in Museumssammlungen. Der anthropomorphe Typ zeigt einen stehenden Gott im Schurz mit Schakalkopf, manchmal mit Was-Zepter oder Ankh. Der zoomorphe Typ zeigt Anubis rein als Hund, oft kauernd mit wachsamen Ohren, als würde er einen Friedhof bewachen. Priester, die an Mumien arbeiteten, trugen bei Ritualen mitunter Schakalmasken in seiner Gestalt.
Vom Herrn der Toten zum Gehilfen des Osiris
In der Frühdynastischen Zeit und im Alten Reich hatte Anubis eine führende Rolle als Herr der Toten. Britannica nennt Beinamen wie «Der auf seinem Berg» (die Nekropole) und «Vorderster der Westler», denn der Westen war die Richtung von Sonnenuntergang und Bestattung. Ihm wurde zugeschrieben, die Einbalsamierung erfunden zu haben, ein Handwerk, das er zuerst am Körper des Osiris ausübte, nachdem Seth ihn zerstückelt hatte.
Ab dem Mittleren Reich stieg Osiris als König der Unterwelt auf, und Anubis rückte zur Führer der Seelen. Er bewachte weiter Gräber und überwachte die Mumifizierung, doch das Wiegen des Herzens und die ewige Herrschaft gingen an Osiris. Im griechisch-römischen Ägypten vermischten Reisende Anubis mitunter mit Hermes als Hermanubis. Das Schakalbild blieb dennoch unverkennbar ägyptisch.
Am Grab, an der Waage und im Zelt des Einbalsamierers
Die Ägypter verbanden Schakale und Wildhunde mit Friedhöfen, weil beide nahe Gräbern nach Nahrung suchten. Diese Beobachtung wurde Theologie: ein wachsames Tier an der Nekropole wurde zu einem schützenden Gott. Anubis wohnte dem «Wiegen des Herzens» bei, wo das Herz des Verstorbenen gegen die Feder der Maat gemessen wurde. Grabmalereien zeigen ihn oft neben Thoth, der das Ergebnis aufzeichnet.
Einbalsamierer riefen ihn in jeder Phase an. Temporäre Schilfpavillons namens ibou wurden für königliche Bestattungsriten errichtet, einschließlich der Beisetzung des Apis-Stiers und der Mutter des Apis. Weil Anubis die Mumifizierung leitete, standen Schakalstatuen nahe Bezirken, in denen Leichen behandelt wurden. Die Verbindung von Zelt, Schakal und ritueller Vorbereitung ist in Ausgrabungsberichten aus Nord-Sakkara ausdrücklich belegt.
Ein liegender Schakal aus Nord-Sakkara
Das Metropolitan Museum besitzt eine Kalksteinstatue des Anubis als liegenden Caniden (Objekt 69.105), gefunden 1966–67 in der Heiligen Tiernekropole in Nord-Sakkara. Sie misst etwa 64 cm lang, 38 cm hoch und wiegt rund 20 kg. Der Stein war ursprünglich schwarz bemalt. Das Stück lag in Schutt im Zusammenhang mit der nördlichen Umfriedung, wahrscheinlich nach 343 v. Chr. errichtet, sodass das genaue Weihedatum unsicher bleibt.
Die Kuratoren des Museums verbinden den Fund mit einer bemerkenswerten Schilfstruktur in der Nähe: Paneelen aus gebündelten Schilfrohren, mit Faser zusammengebunden, offenbar Teil eines temporären vierseitigen Pavillons für Fest- oder Bestattungszeremonien. Schakalskulpturen und Einbalsamierungszelte gehörten zur gleichen Ritualwelt. Die wachsame Kauerhaltung entspricht der Art, wie wilde Caniden in der ägyptischen Wüste heute noch ausgestreckt Territorium bewachen.
Stein, Bronze, Holz und was überdauert
Anubis zählt zu den am häufigsten dargestellten Gottheiten in der ägyptischen Kunst. Kleine Bronzeschakale dienten als Tempelgaben. Bemalte Holzstatuetten aus der ptolemäischen Zeit zeigen aufwendige Tunikas mit Federmuster. Kalkstein- und Holzbeispiele stammen aus Grabkapellen, Tiernekropolen und häuslichen Schreinen.
Nicht jede Figur mit Canidenkopf ist Anubis. Duamutef, einer der vier Söhne des Horus, trägt auf Kanopenkrügen einen Schakalkopf und darf nicht mit dem Gott selbst verwechselt werden. Der Kontext trennt sie: ein einzelner Schakal in einem Grabschrein ist Anubis; ein Schakaldeckel auf einem Krug neben drei weiteren Tierköpfen ist Duamutef, der den Magen bewacht. Auch die Datierung hilft, denn Kanopenkrüge mit Söhnen-des-Horus-Deckeln werden im Neuen Reich üblich.
In deiner Szene
Eine einzelne Anubis-Figur am Grabeingang oder neben einer Kanopennische signalisiert schneller eine ägyptische Bestattung als zufällig verstreute Schakalbilder. Seitliches Tiefenlicht hebt eine schwarz bemalte Steinoberfläche gut hervor. Unser Pack Egyptian Tomb Relics enthält eine stilisierte Anubis-Statue für Schreinvorräume und Sarkophagkammern.