Was ist ein jue? Chinas bronzener Ritualbecher mit Ausguss
In Anyang, der letzten Shang-Hauptstadt in Henan, etwa 1300 bis 1046 v. Chr., kam ein hoher Bronzebecher selten allein ins Grab. Daneben liegt fast immer ein viel kleinerer Dreifuß: schnabelartiger Ausguss, zwei Pfosten auf dem Rand. Die Anyang-Ausstellung des Smithsonian 2023–24 las dieses Paar als Kern des Shang-Weinritus. Das jue wärmte den Wein, der für den gu bestimmt war. Dieses kleine Bronzegefäß ist das jue. Drei gespreizte Beine, langer gebogener Ausguss, spitzer Schwanz, seitlicher Henkel, zwei Pfosten. Am Umriss verwechselt man es kaum.
Drei gespreizte Beine, ein U-Ausguss und zwei Pfosten
Das Metropolitan Museum of Art beschreibt den Ritual-Weinerwärmer 12.134.32 so: ausgestellte, spitze, dreieckige Beine, eiförmiger Körper, langer gebogener Ausguss, den ein spitzer Flansch ausgleicht, und zwei säulenförmige Aufsätze. Die Encyclopaedia Britannica nennt dieselbe Form ein kannenartiges Weingefäß, in Ton und in Bronze. Der Rand zieht sich zu einem großen U-Ausguss. An dessen Ansatz sitzen oft Pfeiler mit Kappen. Gegenüber läuft ein spitzer Schwanz aus. Seitlich sitzt ein Bügelhenkel.
Britannica stellt das jue neben das jia. Der Unterschied ist der weit ausgezogene Rand. Ein jia ist größer, ein Dreifuß oder manchmal ein Vierbeiner, mit Pfosten an einer runderen Mündung und ohne Gießschnabel. Cleveland hängt am Weingefäß 1960.42 noch den gu an: einen hohen Becher mit Trompetenmündung. Der Weinbecher 1985.214.4 im Met ist 31,1 cm hoch. Ein jue bleibt niedriger. 49.135.15 im Met misst 19,7 cm, 1960.42 in Cleveland 22,7 cm.
Ältere Kataloge schreiben noch Wade-Giles chüeh. Pinyin schreibt jue. Das Zeichen ist 爵. Um den Bauch läuft oft eine taotie-Maske. Die zwei Pfosten steigen vom Rand, oft mit Kappen. Die Karten notieren sie. Wozu sie da sind, sagen sie fast nie.
Vom Longshan-Ton zum Stückformguss in Anyang
Die Heilbrunn-Zeitleiste zu China datiert die Longshan-Kultur an der Ostküste auf etwa 2500–1700 v. Chr. Shang-Bronzegießer kopierten zuerst keramische Formen. Britannica setzt die frühesten Ton-jue in die Longshan-Kultur und datiert diesen Horizont auf etwa 2500–2000 v. Chr. Heilbrunn nennt das jue unter jenen Waren nicht. Die beiden Uhren passen nicht, und der Tonursprung bleibt ein Katalogstreit. Bronze-jue gehören dann zur Shang-Dynastie, etwa 1600–1046 v. Chr., so Met und Cleveland.
Heilbrunn setzt die Hauptstadt Anyang von etwa 1300 bis 1046 v. Chr. Shang-Werkstätten arbeiteten mit mehreren Tonformen, dem Stückformverfahren, das Heilbrunn als einzigartig in der Alten Welt bezeichnet. Ein früheres Met-jue, Objekt 2003.432, datiert ins 16. Jahrhundert v. Chr. und ist nur 14,6 cm hoch. Dieselbe Ausstellungsseite verzeichnete keramische jue aus späten Anyang-Gräbern, etwa 1100–1050 v. Chr., günstigere Begleiter zur Bronze.
1046 v. Chr. übernahmen die Zhou das Shang-Reich. Die erste Phase heißt bei Heilbrunn Westliche Zhou (1046–771 v. Chr.). Das Met merkt an, dass jue später weiter für den Ritus gegossen wurden. Qing-Beispiele, auf derselben Karte 1644–1912 datiert, haben oft verlängerte Beine.
Wein für die Ahnen und Shangdi
Clevelands Etikett zu 1960.42 stellt das jue in einen staatlichen Ahnenkult. Shang-Herrscher brachten Wein und Speise den Ahnengeistern und Shangdi, dem Höchsten Ahnen. Der Essay der World History Encyclopedia zum Ahnenkult sagt: Die königlichen Shang-Ahnen galten als Bewohner des Himmels unter anderen Geistergöttern. Die Toten brauchten regelmäßige Gaben, damit sie die Lebenden nicht belästigten.
Das jue ist kein Tafelgeschirr für ein Bankett der Lebenden. Es ist ein Werkzeug der Libation. Wein wird bereitet, dann ausgegossen oder gereicht, damit die Toten weiter gespeist bleiben. Das Smithsonian schreibt, jeder Rangbewusste wollte mindestens das Paar gu und jue im Grab. Ton gegen Bronze markierte den Stand.
Das Met-Etikett zum gu sagt, der hohe Becher diente zum Trinken und zum Trankopfer. Ausguss und messerartige Beine des jue deuten eine andere Bewegung an: das Gefäß absetzen, dann gießen. Wie oft ein jue im Feuer stand, lassen die Museumsseiten offen. Die Karten zählen keine Rußspuren.
Vom Shang-Paar zu späteren Ritualkopien
In den Gräbern von Anyang bleibt das Paar hartnäckig. Diese Ausstellung stellte Bronze-gu und -jue der mittleren Anyang-Zeit, etwa 1150–1100 v. Chr., neben späte keramische Kopien. Das ist das Arbeitsset des Ritus: ein Gefäß zum Wärmen oder Gießen, eines zum Hochhalten der Gabe.
Cleveland gibt das Wärmen dem jia und das Gießen dem gu und nennt das jue trotzdem einen Becher für Libationen. Nach 1046 v. Chr. verschwand das jue nicht über Nacht. Die spätere Met-Notiz und die Qing-Kopien mit längeren Beinen zeigen eine Silhouette, die spätere Werkstätten noch gießen konnten.
Der Wärmer in Galerie 207 des Met, Objekt 49.135.15
Ein Bronzestück, vor das du noch treten kannst, ist der Weinerwärmer 49.135.15 des Metropolitan Museum of Art, ausgestellt in Galerie 207 am Met Fifth Avenue. Das Museum datiert ihn ins 12. Jahrhundert v. Chr., innerhalb der Shang-Spanne von etwa 1600–1046 v. Chr. Bronze, 19,7 cm hoch, 10 cm breit, 16,5 cm tief. Addie W. Kahn vermachte ihn 1949 dem Museum.
Unter dem Henkel sitzt ein einzelnes Zeichen, ein Klanzeichen, im Körper gegossen. Näher kommt dieses Stück nicht an einen Besitzernamen. Gegenüber dem kleineren Met-jue des 16. Jahrhunderts, 2003.432, ist dieser Becher höher. Ausguss, Schwanz, Pfosten und Dreifußbeine folgen derselben Formensprache.
Das Met nennt 49.135.15 einen Weinerwärmer. Stehst du davor, wirkt der Ausguss zu lang zum bequemen Nippen. Die Pfosten würden an der Lippe hängen. Deshalb passt die Bezeichnung Weinerwärmer in der Galerie.
Was die Etiketten noch offen lassen
Die Museumssprache ist nicht einig. Met und Smithsonian nennen das jue einen Weinerwärmer. Cleveland nennt denselben Typ einen Weinbecher für Libationen und behält Weinerwärmer für das jia. Britannica betont den kannenartigen Ausguss, den das jia nicht hat. Katalogseiten nennen keinen einzelnen Erfinder und keine gezählte Gesamtzahl erhaltener jue.
Die Pfosten bleiben der am wenigsten erklärte Teil. Etiketten verzeichnen sie. Ob die Gießer sie zum Heben, zum Zielen beim Guss oder zur Schau setzten, beweisen die Karten nicht. Ruß an ausgegrabenen Beinen würde die Feuerfrage Stück für Stück klären. Öffentliche Katalogtexte melden das selten.
Der gesicherte Kern ist kleiner. Ein jue ist ein chinesisches Ritualgefäß aus Bronze der Shang-Zeit und danach, und davor ein Tonbecher, mit drei Beinen, Ausguss, Schwanz, Henkel und meist zwei Pfosten. Es gehört zum gu, oft auch zum jia, in den Ahnen-Weinriten von Anyang und später.
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Ein jue liest sich als Altargerät, nicht als loser Trinkbecher auf einem Tisch. Lass Platz für einen höheren gu daneben und halte Ausguss und Pfosten sichtbar. Das Pack Chinese Ritual Relics enthält ein stilisiertes jue für Gräber, Tempel und Hofsets.